Meinung: Verbote schützen Deine Freiheit !?

Von joe, 6. Oktober 2009 21:51

Offenbar, denn in Baden Württemberg schafft der selbsternannte „Expertenkreis“ AMOK eine Charta, die nahezu allem was die CDU in der Vergangenheit zum Thema „Gewaltprävention“ von sich gegeben hat noch einmal gewaltig etwas oben drauf setzt.

Inhalte
In dem „Bericht“ Link geht es in nahezu allen Punkten um das „Problemkind“ und wie man nach einer „problematischen Auffälligkeit“ mit dem Kind umgeht. In den Präventionsmaßnahmen werden die klassischen Verbote erneut hochgezüchtet und es ist der Wunsch da, v.d. Leyens gefährliche Zensurinfrastruktur im Netz weiter auszubauen, um problematische Inhalte der Bevölkerung vorzuenthalten. Gerade diese Inhalte seien es ja, die Kinder zu solchen Auswüchsen – insbesondere Gewalttaten oder Amokläufen animieren würden. Die Verbote von sogenannten Killerspielen sind ebenfalls ein hilfreiches Argument.

Hintergründe
In dem Bericht vermisst man allerdings die pädagogischen Hintergrundfragen. Es sind auch die Fragen, die ich mir immer wieder stelle – aber auch die Fragen, welche in der Springer-Presse nicht populär sind. Sie erfordern Denken und zwangsläufig einen Mindestgrad an Intelligenz. Solche Fragen wie z.B. wie ist das Kind in eine Außenseiterrolle in der Schule gekommen, warum wird es gehänselt? Warum verliert es Anschluss in der Gesellschaft? Welche Rolle können Pädagogen oder vielleicht auch Schülerpaten in der Schulumgebung einnehmen? Ist die Schule heute wirklich allein verantwortlich für die Menschwerdung eines Kindes, das vor allem in der verkürzten Zeit bis zum Abitur? Welche Position nehmen die Eltern des Kindes ein und welche Rolle spielt das soziale Umfeld? Wo sind die Alternativen für ein solches „Problemkind“ neben dem Schulalltag die Freizeit zu gestalten? Und ganz zum Schluss – welcher meiner Fragen sind die Auslöser für die “Problemreaktion” des Kindes.

Gesellschaftsfrage
Ich glaube, dass die Gesellschaft sich das hier zu einfach macht. Immer dann wenn etwas passiert, schreien hier und da – ganz vorne weg z.B. Frau v.d. Leyen – nach Verboten und härteren Sanktionen. Es wird nicht einmal ansatzweise die Frage gestellt wo kann die Gesellschaft etwas ändern dass es dazu gar nicht erst kommt. Anstelle dessen werden überall Verbote aufgestellt und gefährliche Eingriffe in die DNS Infrastruktur der Carrier erzwungen um eine Zensurinfrastruktur zu schaffen. Wegschauen und Weghören ist die Devise.

Meinung
Ich halte solche “Papiere” für äußerst problematisch und gefährlich. Sie schaffen ein Propagandainstrument gegen die Netzkultur, gegen unsere Jugend, gegen unsere Freiheit. Sie geben den Ton der blinden und wegschauenden Gesellschaft an, sie verschärfen die Teilung der unterschiedlichen Gesellschaften, schüren kurzes Denken. Ein Armutszeugnis für Zivilcourage in Deutschland. Man sollte erwägen, ob man nicht an einem Arbeitskreis “Wie erziehe ich richtig” oder “Wie schaffe ich ein würdiges, soziales Umfeld für Jugendliche” in’s Leben rufen sollte anstatt sich nur über die Resultate und Auswirkungen der schweren Fehler unserer Gesellschaft Gedanken zu machen. Dass, was der selbsternannte Expertenkreis von sich gibt, ist pädagogisch, sozial und gesellschaftlich weder zu ertragen noch gutzuheissen – absoluter Schwachsinn.

Reaktionen
Im Netz gibt es einen Aufschrei ringsherum, viele Seiten äußern sich kritisch, in den Foren hagelt es Trollposts, kurz – es scheppert gewaltig. Allerdings werden die Meinungen im Internet von denjenigen, die sie verursachten auch in Zukunft nicht wahrgenommen werden. Viele begreifen erst gar nicht, dass es längst eine Informationswelt neben Gute Zeiten schlechte Zeiten, RTL2News und der BILD gibt. Und wenn sie dann doch da ist, dann lieber wegschauen oder noch besser: verbieten.

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