Nachrichten getagged: politik

Rückblende – Von der Gewissheit bis zur Orientierungslosigkeit

Von joe, 6. April 2011 08:21

“Die beratungsresistenten Alternativlosen” – Achtung, Satire!

„Was ist hier los?“ Fragt sich der ahnungslose Mitdreißiger. Der Mitdreißiger, welcher keine Kinder hat, mitten im Berufsleben steht, Single ist, einen Diesel fährt, Ökostrom schon seit 2009 abonniert, selten zuhause, und weil er Spaß am Beruf hat vielmehr ständig auf Reisen ist. Ich glaube, lieber Freund ;-) – Wenn Du sagst „Ich hätte mich zur linken Wildsau entwickelt“, muss ich mich mal erklären.

Auf der Suche nach einer politischen Heimat ist diese Karrikatur des neuen Bürgers, der sein Leben immer mehr durch den Beruf und weniger durch seine gelebte Freizeit definiert. Ein Berufsleben kann auch Beziehungslosigkeit definieren, ein steuerlicher Nachteil offenbar. Zu dieser Karrikatur gehöre ich. Definitiv. Geboren nach dem „Deutschen Herbst“. Vor der Wende. Ich hatte eine umsorgte, wunderschöne Kindheit inmitten einer Meerbuscher „Gurkensiedlung“. Diese Siedlung ist so faszinierend, sie hätte „Desperate Housewifes“ Konkurrenz machen können. Auch wenn ich nicht Fan davon bin, den Rasen des Vorgarten mit der Nagelschere zu bearbeiten, prägten mich schon damals die konservativen Ansichten meiner Eltern und es ist mir schwer gefallen, sie nicht zu teilen.

Es ist eine „Entscheidung“ für Deine Zukunft, wurde mir damals suggeriert. Fernab von Parteiprogrammen wählt ein Heranwachsender denjenigen, der ihm medial am nächsten ist. Nun gut, wir hatten damals nicht die Medienvielfalt, wie sie heute dem Jugendlichen zur Verfügung steht. Das „Netz“ war eher eine Ansammlung von Mailboxen. Gopher und Terminalsessions dominierten das, was sich moderne Kommunikationsplattform nannte. Und es war schweineteuer. Das spätere „BTX“ war mehr ein System zur Bestellung von Automobilkatalogen denn eine Nachrichtenplattform, Twitter und Facebook in weiter Ferne.

Was wählst Du also in Zeiten, in denen Du gewohnt bist von Helmut und Hans-Dietrich zur Wende geführt zu werden, in denen es Dir gut geht? In denen Du keinen Zukunftsängste hast? Es „könnte“ Dir in den Sinn kommen, schwarz zu wählen.

Erst versuchen sich ein jetzt dunkelroter Westentaschendackel aus dem Saarland, ein Schnellsprecher welcher sich lieber mit Gräfinnen im Pool vergnügt oder derjenige – nach 16 Jahren zum ersten Mal richtig erfolgreich – welcher unlängst brüllte „Ich will hier rein“ an der politische Krone. Da hätte man auch den Papst zur Puffmutter machen können. Seine Agenda-Politik war so fernab der roten Parteiideale, wie die Erde zum Mars. Der Typ war damals schon- neben seinem Spruch „Bring mir mal ´ne Flasche Bier“ deutlich konsequenter, als die „Fähnchenimwind“ Politik des anderen Ufers. Immerhin, das hat uns in der letzten Krise den Arsch gerettet. Er selbst rettete sich rechtzeitig zu einem russichen Energiekonzern.

Was habe ich geflucht, als dieser Kerl mit seiner Agenda-Politik damit anfing. Noch zu den Zeiten, als ich in Köln meiner Arbeit nachging, entdeckte ich zum ersten Mal nach der Jahrtausendwende Pfandflaschensammler, die sich an der Dividende von Herrn Trittin zu schaffen machten und Mülltonnen durchpflügten. Es zog mich total runter. Ob Trittin mit seiner sozialen Ader das bereits geahnt hatte?

Als diese Frau, die nur lächelt, wenn man sie auf den Kopf stellt, 2005 dem Mann die Krone abnahm, hoffte ich auf endlich sozialere Zeiten. Verkehrte Welt! Das, was die beiden sich da übrigens während der Elefantenrunde geleistet hatten, war besser als jede Comedy von Herrn Pispers. Die gebürtige Hamburgerin versuchte mir damals die „neue Mitte“ zu erklären und der heutige Gazprom-3Sterne-General verpfiff anschließend seine Frau: „Sie hätte ihm den Marsch geblasen, der Auftritt sei suboptimal“.

Danach habe ich irgendwie den Anschluß an’s politische Geschehen verloren. Die Parteiprogramme der beiden großen Volksparteien waren komplett konträr zum jeweiligen Agieren der Parteiobersten. Sie hätten eigentlich jeweils zum gegenüberliegenden Ufer schwimmen sollen. Die Rekursivlächlerin fing dann an, dem politischen Schwarzwald einen kompletten Kahlschlag zu verpassen. Alle wichtigen, Köpfe dieseses Biotops wurden abrasiert. Mitunter einer der begabtesten Redner, der mir damals schon die Steuererklärung auf dem Bierdeckel erklärte. Ich war nur glücklich, als wir zwischendurch noch mal gerade so eben am Tempo 130 vorbeigeschrammt sind. Das war – glaube ich – für mich noch relevant. Aus der Wirtschaftspolitik habe ich mich, mit absolutem Unverständnis der Argumente, komplett abgemeldet.

Es ist in etwa so, als ob man während des Krimis einschläft und sich später fragt, „was macht denn Tom Cruise im Tatort“. Offensichtlich war diese Koalition für mich in ihrer Wirkung so irrelevant, wie “Gute Zeiten Schlechte Zeiten”. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich aufgewacht bin. Auf Landesebene NRW zoffte ich mich noch mit meinen Freunden über die Studiengebühren und deren Verhältnismäßigkeit, als dann irgend so eine Bekloppte mit einem Stoppschild durch die Tagesschau zog. Die stand da so in der ARD rum und fand ihr Stoppschild total supi. Ich glaube, da bin ich aufgewacht.

Was für einen hirnverbrannten, idiotischen, völlig bescheuerten Schwachsinn wollte die Trulla mir da verzapfen? Eines hatte sie aber schon damals: Diesen Vierbuchstabenschwachsinnsjournalismus der gesammten Springerpresse hinter sich. Das zog sich vom Hamburger Abendblatt rüber zur Welt bis hin zur Bildzeitung. In einer Tour war diese Journallie der Meinung, dass diese (Gebähr-)Mutter der Nation Ahnung von TCP/IP hat. Wider jedem, auch wirklich jeder Vernunft predigte sie, verlogen bis dass sich die Balken bogen, vom Schutz der Kinder.

In Krefeld quatschte mich dann mein Xing an und der lokale Schwarzwald wollte Gutfreund sein. Ich akzeptierte und fing an sie zu belatschern, warum denn die Frau von den Sinnen mir die Dunkelpolitik so unsympatisch macht. Das Lustige dabei ist, dass ein Spruch eines Politikers zu dieser Legislaturperiode mit dem Inhalt „Gleichschaltung der Medien“ sich wohl eher auf die schwarze Basispolitik herunterbrechen ließ. Ein neues Wort wurde gefunden: „beratungsresistent“. Ich schmiss die Trulla aus meinem Xing-Repertoire.

Katsching – Ich war hellwach. Die Einzugsermächtigung zur Unterstützung meiner „Dunkelpartei“ wurde gekündigt und ich hatte monatlich mehr Geld auf dem Konto. Ja und jetzt? Es wurde noch besser. Die gelbe Alternative biederte sich mir förmlich an. Dieser gelbe, von allen beschossene Politiker wetterte in Sachen Informationsfreiheit gegen die Unionspartei, dass es nur so krachte. Ich fand die gut und war der Hoffnung, dass sich mit deren Unterstützung etwas änderte und verfolgte deren Äußerungen. Kann ja so falsch nicht sein. Auch die dazugehörige, jetzige Justizministerin gefiel mir.

Unterdessen schoss ein Wirtschaftsminister aus dem Unterholz, der zuvor erfolgreich ein junges Familienunternehmen geführt hatte. Mit Skepsis beäugte ich das Spektakel. Als er dann „wenn das mit Opel nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle, trete ich zurück“ lauthals das Gegenteil von seiner Ankündigung tat, hatte ich für den politischen Schwarzwald nun wirklich nichts mehr übrig und meine Hoffnungen lagen in der liberalen Alternative, die dummerweise immer da war, wo die von mir damals so bevorzugte Dunkelpolitik auch war. Als dann dieser dahergelaufene Wirtschaftsminister, auf dem schon damals alle Hoffnungen der Hauptstadtspringerjournallie lagen – begleitet von Homestories dann auch noch in der Tagesschau behauptete „Er sei zutiefst betroffen“, war von meiner konservativen Grundstimmung nun wirklich nichts mehr da.

Keiner der konservativen Köpfe, die mir entweder am Geldende weniger Monat versprachen oder der freiheitlich, liberalen Nutzung des Internets nicht im Wege standen waren, noch da. Sie waren alle von der Rekursivlächlerin abgesägt worden. Entweder klammheimlich oder mit Pauken und Trompeten. Sie hatten keine Lust mehr. Auch auf Landesebene verzog sich Schritt für Schritt jeder helle Schwarzkopf in die Wirtschaft. Keine Inhalte, keine Zukunftsperspektiven. Nur noch gequirlter Schwachsinn. Wenn „De Rende sinn sischa“ Blüm oder „Ich bin gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise.“ Gentscher sich heute ihre Parteien angucken, müssten sie sich eigentlich fragen „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele“. Inzwischen hatte ich ja noch nichtmal mehr was gegen grünes Tempo 130, das muss man sich mal vorstellen. Nach Abwägung aller Konsequenzen wählte ich dann also Gelb-Orange. War das der Zeitpunkt, als der Ausstieg aus dem Ausstieg bittere Konsequenz wurde? Steigen wir da jetzt wieder ein?

Dann kam da was um die Ecke, das ich nicht verstanden habe. Meine Bank, welche 1000e von Optionsscheinen eines amerikanischen Risikoinvestors im Safe hatte, zündete selbigen kurzerhand an. Mein ganz privates Wohnungsprojekt in Höhe von EUR 80.000 (Nettowert bei Schnellverflüssigung) ging aufgrund meines Unverständnisses von allgemeinen Geschäftsbedingungen und Kleingedruckten in Flammen auf. Verpuffung. Wusch. Weg. „Ihr Geld ist nicht weg, es hat jetzt nur ein anderer. Es tut uns herzlich leid, aber das ist nun mal so.“ Komisch nur, dass gerade die deutschen Banken, die unsere wunderschöne, deutsche Finanzwelt vor die Wand gefahren hatten, die meisten Politiker im Vorstand hatten. Als diese Rekursivlächlerin mir dann auch noch verzapfen wollte, dass wir einen sündhaft teuren “Schirm” aufspannen müssen, das sei ja „alternativlos“, war mein Ofen aus. Übrigens, diese Arschlöcher machen heute so weiter wie vorher. Das führt dazu, dass ich neben meiner Privatrente nix mehr spare. Ich werde in Zukunft also weiterhin bis zum Lebensende in meinen 42 Quadratmetern Dachfläche mit Klo –lebstdunochoderwohnstduschon- hausen weil ich auf übermäßige Spenden an diese „Banker“ keinen Bock habe. Da investiere ich lieber in einen Long Island Iced Tea. Der schmeckt besser als Papier.

„L’ addition, s’ il vous plait“!

Kommen wir also zur Abrechnung der Konsequenz meiner koalierten Wahl. Der Bürger hat das ja so gewollt. Suggeriert mir: Ich bin schuld! Wenn ich also durch meine Reisekostenabrechnungen von 2010 mal so durchgehe, muss ich feststellen, dass diese sich zu 100% von denen in den Vorjahren unterscheiden. Jetzt sind da immer 2 Mehrwertsteuersätze drauf. 7% und 19%. Das führt zu noch mehr Monat am Geldende, liebe Yellowpolitics, Inc! Und zwar deutlich! Die kostet mich als Handlungsreisender Monat für Monat mindestens 300 Euro, bis ich mich dazu entschließe entweder das Frühstück komplett zu canceln oder zum goldenen M zu pilgern. Das ist nur da, wo ich mich meistens aufhalte, also hinterm antikapitalistischen Schutzwall, nicht so häufig anzutreffen, wie tief im Westen… (Grönemeyer). Ich habe also die Wahl zwischen Magengeschwür aufgrund der Mahlzeiten oder Magengeschwür aufgrund eines Wahlgeschenks der gelben Schwester an Mövenpick. Hinzu kommt mein „Dakönnenwirnichtsmachentelefongespräch“ mit meinem Personaler in Berlin, der mir im Januar in einer Email mitteilte: „Setzen Sie sich bitte erstmal, bevor Sie den Anhang öffnen. Ich kann da ja nichts dafür. Auf Ihrem Lohnjournal ist das Geld oben ja noch da, nur unten wird’s jetzt wieder weniger.“ Tun wir den Blödsinn, den uns ein zukünftiger, liberaler Parteichef wegen dringend notwendiger Gesundheitsreformen oben noch draufkippt, kommen wir auf eine stattliche Minussumme, und das monatlich. Ohne Zutun meines AG oder Verschulden meinerseits. Mein privater “Wirtschaftsaufschwung” ist also verpufft, wie das Geld im Safe der Bank. Na herzlichen Dank auch!

Ein paar Beobachtungen noch: Für Gelächter sorgte dann die Aufarbeitung des journalistischen Spiegleins der Assange-Kabel. Die Schwester sah super aus! Später versucht man sich an einem unterirdischen Bahnhof und erzeugt den Wutbürger wegen des bösen Internets. Wegen der Züge ging völlig unter, dass sich der Bahnhofsministerpräsident aus dem Ländle mal eben mit 4,7 Milliarden Steuergeldern ENBW (Das sind die mit den Reaktoren) von den Franzosen zurückkauft. Das ist schwarze Politik!

Richtig lustig wurde es, als sich die aufgrund von Copy&Paste-Verfehlungen einzige (vermeintlich einzige) Konsequenz und Bastion des politischen Schwarzwalds der Kettensäge zum Opfer fiel. Die 4Buchstabenpresse wetterte kräftig dagegen, vergaß dabei allerdings alle anderen Verfehlungen meiner „Persona non Grata“. Und die Liste war lang. Gottseidank ist der Baum endlich weg vom Acker. Und als könne man die Uhr danach stellen, schießt der nächste schwarzlackierte Politiker im 3-Monatszyklus gegen das ach so böse Internet. Bald haben wir doch chinesische Verhältnisse.

Wäre da nicht ein Reaktor in Japon hochgegangen. Sowas Doofes aber auch. Ihre „Investitionen“, liebe Energiebetreiber, die sie aufgrund des „Konsens“ in Energietrassen gemacht haben, die sie dummerweise wieder abgerissen haben, weil der Unterhalt aufgrund des Ausstiegs vom Ausstieg nicht lohnte, die müssen Sie jetzt doch wieder – also nochmal – machen. Das mit der Investitionssicherheit, so mit Planung und so, das ist so eine Sache. Das konnten wir ja auch nicht ahnen. Und diese Milliarden der Stromkunden, die sie da so in die – ja jetzt nennen wir sie halt mal wieder so – „Schrottmeiler“ investiert haben, das war leider (sorry) jetzt aber auch wirklich doof. Wir überprüfen das jetzt mal, also „ethisch“. Mit Kirchen und Moratorium und so. Mir war so, als ob da irgend wie so ein Huhn über den Dorfplatz/ Fernseher kühnastete. Bock Booooaaa Bock Bock törö. Da haben sie das gesehen? Ach jetzt ist da Ranga Yogeshwar, ich dachte da war ein Huhn im Kasten.

Ziehe ich also meine Schlüsse und rechne ab. Weder der Seeheimer Kreis, noch der konservative Minister, noch die Yellowpolitics, inc./.org geben mir jetzt ein politisches Zuhause. Dunkelrot würde ich nie wählen und was ist dann außer den Antiparteien (mit oder ohne Inhalt) noch übrig? Richtig, Nichts!

Wie jetzt, jetzt bin ich das auch noch schuld? Im Parteiprogramm stand doch was anderes. „Also Herr L., wenn Sie glauben, Politiker sind Idealisten und tun das, was sie predigen, dann glauben Sie auch noch an den Weihnachtsmann, oder?“

Schließen möchte ich mit einer satirischen Liedempfehlung von Arne: Die Partei

Ich bin also mit Schlafsack unter politisch freiem Himmel. Da ist weder rechts noch links was im Gebüsch. Na herzlichen Dank auch.

Panorama Theme by Themocracy